"Es ist ein Skandal, daß die Philosophie die Realität dieser Welt nicht zu beweisen vermag." Ein stolzer Satz,
nach zwei Jahrtausenden Philosophiegeschichte, niedergeschrieben von Immanuel Kant. Liegt das Unvermögen in unserer
Vernunft oder in der Erfahrung? "Die meisten Sterblichen", so interpretiert Popper Parmenides, "haben nichts in
ihrem irrenden Verstand, was nicht durch ihre irrenden Sinne hineingekommen wäre." "Also", sagten die Sophisten,
"Erkenntnis kommt von den Sinnen" "Von jenen des Weisen", fragte Platon, "oder des Pavians? Erkenntnis also kommt
von der Vernunft.", und Aristoteles formulierte ihre Gesetze. "Woher aber weißt du", fragte Pyrrhon, "ob der Weise
weise ist?" "Also", sagte Epikur "zurück zu den Sophisten!" "Aber", fragten die Skeptiker, "was soll das nutzen?"
Und als Pyrrhon starb, so referiert Durant, "weinten sein Schüler nicht, die ihn liebten, denn sie konnten nicht
wissen ob er tot war." Also wäre nichts im Verstand, was nicht durch die irrenden Sinne hereingekommen wäre?
"Gewiß", sagt Leibniz, "außer der Verstand selbst". Und so dreht sich der Kreis noch heute. Nur die
Unversträglichkeit von Empirismus und Rationalismus sind uns geblieben. [...]
"Ist aber dann der Narr", fragt der verzweifelte Bertrand Russel, "der sich für ein Rührei hält, nur deshalb im
Irrtum, weil er sich mit seiner Meinung in der Minderheit befindet?" Doch nicht minder sind die Weisen eine
Minderheit. [...]
"Es ist der größte Skandal", sagt Karl Popper, "daß die Philosophen noch immer darüber streiten, ob diese Welt
existiert, wärend um sie eine Welt - und nicht nur diese (nämlich mit ihr auch alle Philosohpehn) - zugrunde geht."